Evaluation DaZ-Unterricht

Ref. 21332

  

Description générale

Période concernée

Datensammlung 10/09/2025-01/10/2025

Région géographique

Informations géographiques additionnelles

Städte Winterthur und Zürich

Résumé

Diese Studie wurde im Auftrag der Bildungsdirektion des Kantons Zürich durchgeführt. Sie untersuchte den Unterricht in Deutsch als Zweitsprache (DaZ) in den Städten Winterthur und Zürich mit dem Ziel, zentrale Gelingensbedingungen für einen lernförderlichen DaZ-Unterricht zu identifizieren. Im Fokus stand die Frage, welche Ressourcen, Organisationsformen und Förderintensitäten dazu beitragen, dass Schüler*innen mit DaZ möglichst rasch und nachhaltig vom Sprachunterricht profitieren und erfolgreich am Regelunterricht teilnehmen können. Dazu wurden im Schwerpunkt bestehende Herausforderungen sowie Entwicklungspotenziale aus Sicht massgeblicher schulischer Akteur*innen analysiert und daraus Implikationen für eine Weiterentwicklung des DaZ-Unterrichts abgeleitet. Methodisch basiert die Studie auf einem Review der einschlägigen Forschungsliteratur sowie auf einer qualitativ angelegten Befragung. Im Review wurden konzeptuelle Arbeiten und empirische Studien im Bereich der DaZ-Förderprogramme ausgewertet und resümiert. Darauf aufbauend wurden in zwölf zirka einstündigen Gesprächen mit Schulleitungen, Klassen- und DaZ-Lehrpersonen Erfahrungen, praxisnahe Bedarfe und Perspektiven aus spezifischem schulischem Kontext der beiden Städte Zürich und Winterthur mittels Leitfadeninterviews systematisch erhoben. An der Befragung beteiligten sich insgesamt vier Primarschulen (inkl. Kindergarten), davon pro Stadt je eine QUIMS-Schule mit vielen DaZ-Lernenden und je eine Schule mit vergleichsweise weniger DaZ-Schüler*innen. Die Audioaufnahmen der Interviews wurden wörtlich transkribiert und die Transkripte anschliessend nach dem Ansatz der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz (2018) ausgewertet. Hierfür wurde ein Kategoriensystem entwickelt, das sowohl die im Interviewleitfaden behandelten Themen aufnimmt als auch vom Datenmaterial ausgeht. Die Codierung der Interviewtranskripte erfolgte mithilfe der Analysesoftware MAXQDA 24 (VERBI Software, 2025), d.h. es wurden ausgehend vom Kategoriensystem jene Textstellen identifiziert und codiert, die für die Beantwortung der Forschungsfragen relevante Inhalte aufweisen. In einem weiteren Analyseschritt wurden die Daten systematisch ausgewertet, indem die Aussagen der beteiligten Akteur*innen pro thematischem Code sowohl auf Schulebene als auch schulübergreifend verglichen und zusammengefasst wurden. Abschliessend wurden die aus den Interviews gewonnenen Erkenntnisse mit den Ergebnissen des Literaturreviews trianguliert, um zu einer evidenz- und literaturbasierten Gesamteinschätzung des DaZ-Unterrichts in den Städten Zürich und Winterthur zu gelangen und Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung des DaZ-Angebots aufzuzeigen.

Résultats

Aus den Interviews geht hervor, dass an den vier teilnehmenden Schulen sowohl integrative als auch separative Formen der Deutschförderung praktiziert werden. Welche Form der Sprachförderung geeigneter ist, kann aufgrund der vorliegenden Evidenz nicht abschliessend beurteilt werden. Vielmehr zeigt sich, dass beide Förderformen für jeweils andere Kontexte typisch und mit jeweils spezifischen Vor- und Nachteilen verbunden sind. Die Befragten waren sich jedoch einig, dass für beide Förderformen geeignete Rahmenbedingungen und ausreichende Ressourcen von zentraler Bedeutung sind. Übergreifend und deutlich zeigt sich, dass die Befragten die derzeit verfügbaren zeitlichen und personellen Ressourcen als unzureichend empfinden. Nach Einschätzung der Lehrpersonen reicht der für die DaZ-Förderung vorgesehene Zeitraum zwar aus, um die alltagsbezogenen Sprachkompetenzen der Schüler*innen zu entwickeln, nicht aber, um ihre Bildungssprache auf ein Niveau zu bringen, das jenem von Schüler*innen mit Deutsch als Erstsprache entspricht. In der Folge sind DaZ-Schüler*innen beim Übertritt in weiterführende Schulen aufgrund ihrer schulsprachlichen Kompetenzen systematisch benachteiligt. Die Schulleiter*innen machten in den Interviews deutlich, dass sie zu Beginn jedes Schuljahres vor der grossen Herausforderung stehen, die begrenzten Lektionen so zu verteilen, dass sie gleichzeitig dem Förderbedarf der Schülerinnen, den organisatorischen Rahmenbedingungen der Schule und auch den Lehrpensen gerecht werden. Aktuell bemühen sich die Schulleiter*innen, die knappen Ressourcen so einzusetzen, dass möglichst viele Kinder möglichst lange von den Sprachfördermassnahmen profitieren können. Dies führt teilweise zu administrativem Mehraufwand und mitunter auch zu nicht ganz offiziellen, jedoch pädagogisch sinnvollen Praktiken. Aktuell konnten an allen vier Schulen die DaZ-Stellen besetzt werden. Auch zeigten sich die Schulleitungen mit ihren Teams zufrieden. Bemängelt wurde jedoch, dass die DaZ-Lehrpersonen von der Gemeinde und nicht, wie Klassenlehrpersonen, vom Kanton angestellt werden. Um den Förderbedarf der Schüler*innen zu erheben, wird an allen vier Schulen das obligatorische Instrument zur Sprachstandserhebung Sprachgewandt eingesetzt, vielfach wurde jedoch Kritik an diesem Instrument geäussert. Bei der Sprachförderung im Unterricht scheinen sich die befragten Lehrpersonen grösstenteils an didaktisch-methodischen Ansätzen und Konzepten zu orientieren, die auch in der aktuellen Fachliteratur empfohlen werden (z.B. scaffolding). Die Lehrpersonen stimmen darin überein, dass weiterer Entwicklungsbedarf bei Lehrmitteln besteht, die enger auf die Materialien des Regelunterrichts bezogen sind und gezielte scaffolds sowie zusätzliche unterstützende Elemente enthalten. Die Zusammenarbeit der relevanten Fachpersonen im Kontext der schulischen Sprachförderung wird von den Befragten überwiegend positiv bewertet. Sowohl die vorliegenden Daten als auch die Erkenntnisse aus der Fachliteratur zeigen darüber hinaus, dass eine enge Zusammenarbeit im Lehrpersonen-Team sowie eine unterstützende Haltung der Schulleitungen zentrale Voraussetzungen für eine gelingende, eng mit den Inhalten des Regelunterrichts verzahnte und bedürfnisorientierte DaZ-Förderung sind. Zu den weiteren sowohl in der Fachliteratur als auch in den Interviews identifizierten Gelingensbedingungen des DaZ-Unterrichts gehören sowohl Faktoren, auf die die Schule keinen bzw. einen geringen Einfluss hat (u.a. kognitive Fähigkeiten der Lernenden, sozioökonomischer Status der Eltern), als auch solche, die durch schulische Akteur*innen durchaus beeinflussbar sind, u.a. Qualität und Quantität der Sprachförderungsmassnahmen, enge inhaltliche Verzahnung von Regel- und DaZ-Unterricht, gute Zusammenarbeit im Lehrpersonen-Team, Qualifikation und angemessene Anstellungsbedingungen der Lehrpersonen sowie eine angemessene Teamgrösse.