Aus den Interviews geht hervor, dass an den vier teilnehmenden Schulen sowohl integrative als auch separative Formen der Deutschförderung praktiziert werden. Welche Form der Sprachförderung geeigneter ist, kann aufgrund der vorliegenden Evidenz nicht abschliessend beurteilt werden. Vielmehr zeigt sich, dass beide Förderformen für jeweils andere Kontexte typisch und mit jeweils spezifischen Vor- und Nachteilen verbunden sind. Die Befragten waren sich jedoch einig, dass für beide Förderformen geeignete Rahmenbedingungen und ausreichende Ressourcen von zentraler Bedeutung sind.
Übergreifend und deutlich zeigt sich, dass die Befragten die derzeit verfügbaren zeitlichen und personellen Ressourcen als unzureichend empfinden. Nach Einschätzung der Lehrpersonen reicht der für die DaZ-Förderung vorgesehene Zeitraum zwar aus, um die alltagsbezogenen Sprachkompetenzen der Schüler*innen zu entwickeln, nicht aber, um ihre Bildungssprache auf ein Niveau zu bringen, das jenem von Schüler*innen mit Deutsch als Erstsprache entspricht. In der Folge sind DaZ-Schüler*innen beim Übertritt in weiterführende Schulen aufgrund ihrer schulsprachlichen Kompetenzen systematisch benachteiligt.
Die Schulleiter*innen machten in den Interviews deutlich, dass sie zu Beginn jedes Schuljahres vor der grossen Herausforderung stehen, die begrenzten Lektionen so zu verteilen, dass sie gleichzeitig dem Förderbedarf der Schülerinnen, den organisatorischen Rahmenbedingungen der Schule und auch den Lehrpensen gerecht werden. Aktuell bemühen sich die Schulleiter*innen, die knappen Ressourcen so einzusetzen, dass möglichst viele Kinder möglichst lange von den Sprachfördermassnahmen profitieren können. Dies führt teilweise zu administrativem Mehraufwand und mitunter auch zu nicht ganz offiziellen, jedoch pädagogisch sinnvollen Praktiken.
Aktuell konnten an allen vier Schulen die DaZ-Stellen besetzt werden. Auch zeigten sich die Schulleitungen mit ihren Teams zufrieden. Bemängelt wurde jedoch, dass die DaZ-Lehrpersonen von der Gemeinde und nicht, wie Klassenlehrpersonen, vom Kanton angestellt werden.
Um den Förderbedarf der Schüler*innen zu erheben, wird an allen vier Schulen das obligatorische Instrument zur Sprachstandserhebung Sprachgewandt eingesetzt, vielfach wurde jedoch Kritik an diesem Instrument geäussert. Bei der Sprachförderung im Unterricht scheinen sich die befragten Lehrpersonen grösstenteils an didaktisch-methodischen Ansätzen und Konzepten zu orientieren, die auch in der aktuellen Fachliteratur empfohlen werden (z.B. scaffolding). Die Lehrpersonen stimmen darin überein, dass weiterer Entwicklungsbedarf bei Lehrmitteln besteht, die enger auf die Materialien des Regelunterrichts bezogen sind und gezielte scaffolds sowie zusätzliche unterstützende Elemente enthalten.
Die Zusammenarbeit der relevanten Fachpersonen im Kontext der schulischen Sprachförderung wird von den Befragten überwiegend positiv bewertet. Sowohl die vorliegenden Daten als auch die Erkenntnisse aus der Fachliteratur zeigen darüber hinaus, dass eine enge Zusammenarbeit im Lehrpersonen-Team sowie eine unterstützende Haltung der Schulleitungen zentrale Voraussetzungen für eine gelingende, eng mit den Inhalten des Regelunterrichts verzahnte und bedürfnisorientierte DaZ-Förderung sind.
Zu den weiteren sowohl in der Fachliteratur als auch in den Interviews identifizierten Gelingensbedingungen des DaZ-Unterrichts gehören sowohl Faktoren, auf die die Schule keinen bzw. einen geringen Einfluss hat (u.a. kognitive Fähigkeiten der Lernenden, sozioökonomischer Status der Eltern), als auch solche, die durch schulische Akteur*innen durchaus beeinflussbar sind, u.a. Qualität und Quantität der Sprachförderungsmassnahmen, enge inhaltliche Verzahnung von Regel- und DaZ-Unterricht, gute Zusammenarbeit im Lehrpersonen-Team, Qualifikation und angemessene Anstellungsbedingungen der Lehrpersonen sowie eine angemessene Teamgrösse.