Das Sammeln von Handyfilmen im Feld und die vorgesehenen Interviews sollen bei Jugendlichengruppen stattfinden, die sich sowohl aus Jugendlichen mit Migrationshintergrund wie auch Schweizer Herkunft zusammensetzen. Aufgrund des sozioökonomischen Hintergrunds ihres Elternhauses und der damit verbundenen Wohnsituation kann davon ausgegangen werden, dass eine signifikante Anzahl von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ihre Freizeit ausserhalb des Elternhauses (in der Jugendlichengruppe) verbringt und im öffentlichen Raum ansprechbar ist. Datenerhebung Um das explizite und implizite kulturelle Wissen zu erforschen, durch dessen Gebrauch Menschen "ihr Verhalten organisieren, sich selbst und andere verstehen und der sozialen Welt, in der sie leben eine Bedeutung geben" (Ziegler 2001, 141 in Anschluss an Geertz), ist es sinnvoll, verschiedene methodische Zugänge zu wählen. Die in der qualitativen Sozialforschung mit den Begriffen "Triangulation", "multimethodisches Vorgehen" und "Methodenmix" bezeichneten auf die Kombination von qualitativen und quantitativen Methoden sowie die Aufzeichnung von unauffälligen Beobachtungen und die Planung von direkten Befragungen (Flick 2008, 8). Zentral für das anvisierte Projekt ist, mittels Forschertriangulation die Möglichkeit zu nutzen, den Forschungsgegenstand multiperspektivisch zu erfassen, so wie das in der bis dato stattgefundenen Planungsphase bereits geschehen ist. Der Kommunikationsprozess zwischen Kunst und Wissenschaft prägte den Umgang mit dem Forschungsgegenstand hinsichtlich zu entwickelnder Fragestellungen und Vorgehensweisen bis hin zu Überlegungen der Repräsentation. Damit einhergehend entstand das Interesse, nicht nur einen gemeinsamen Forschungsgegenstand zu analysieren, sondern die jeweiligen Möglichkeiten und Begrenzungen von Kunst und Wissenschaft zu erkennen, zu nutzen und - wenn möglich - zu überwinden. Für die Feldforschung sollen urbane Situationen und Treffpunkte in der Stadt Zürich berücksichtigt werden, die von den für die Untersuchung relevanten Peer-Groups frequentiert werden. Aufgrund der demografischen, städtebaulichen und verkehrstechnischen Situation der Stadt Zürich ist geplant, insbesondere das Quartier Zürich-Oerlikon in den Blick zu nehmen (Schule, Freizeit) - kontrastiert durch innerstädtische Schauplätze (Shopping, Ausgang). Die Situation des Sammelns soll einen Raum schaffen für den Austausch zwischen den Jugendlichen und den Forschern. Aufgrund der Vorarbeiten der Künstlerinnen und Erfahrungen mit Fotointerviews in Vorgängerprojekten ist zu erwarten, dass sich die Jugendlichen in den Gesprächen nicht ausschliesslich auf die gedrehten Filme beziehen, sondern vielfältige, nicht vorhersehbare Themen ansprechen werden. Diese Offenheit ist von dem gemischten Forscherteam gleichermassen erwünscht. Künstlerische wie ethnographische Forschung streben jeweils an, Informationen über Inhalt, Entstehung und Rezeption der Handyfilme zu erhalten. Der Übertrag der Daten erfolgt über Infrarot- oder Bluetooth- Schnittstellen auf die Handygeräte des Forscherteams. Folgende Erhebungsmethoden sind in unterschiedlichen Phasen vorgesehen:
- Sammeln im Feld von Freizeit und Schule
- Sammeln von Handyfilmen an Orten in der Stadt Zürich (s.o.).
Von den Forschern werden spontane Kurzkommentare der Produzenten und der anwesenden Peers festgehalten. Vorgesehen sind dafür schriftliche Notizen und ggf. Audioaufzeichnungen, um die Kontaktaufnahme mit den Jugendlichen niederschwellig zu halten.
- Einzelgespräche
- Einzelgespräche mit 30 Jugendlichen über deren Handyfilme sowie über von den Forschenden ausgewählte bereits gesammelte Filme. Die Einzelgespräche finden statt als leitfadengestützte, semi-strukturierte biographische Interviews.
- Gruppengespräche
- In Ergänzung zu den Einzelgesprächen wird in den vorgesehenen Gruppengesprächen primär über Filme gesprochen, die von den Forschenden ausgewählt wurden.
Vorgesehen sind mindestens 3 Gesprächsrunden à 3 Teilnehmer.
- Gruppengespräche über künstlerisch transformierte Filme
- Feldtagebücher: Während der jeweiligen Erhebungsphasen führen alle Forschenden ein Feldtagebuch