Mobbing und andere psychosoziale Spannungen am Arbeitsplatz in der Schweiz

Ref. 9595

  

Methoden

Erhebungsmodus

Damit die Häufigkeit der Mobbing-Fälle auf Basis der Definition von Leymann (1993a) fundiert eruiert werden konnte, und um mögliche Verzerrungen der Resultate zu vermeiden, durfte bei der Umfrage der Begriff Mobbing selbst nicht zum Thema gemacht werden. Der Fragebogen wurde so eingeführt, dass die Personen an einer Umfrage zum Thema 'Gesundheit und Arbeit' teilnahmen. Um nicht allen Befragungsteilnehmern die umfangreiche Fragebatterie zum Mobbingverhalten vorlegen zu müssen und um mit den zur Verfügung stehenden Mitteln effizient umzugehen, wurden anhand von Fragen zur Berufssituation und zur Gesundheit sogenannte Filterfragen eingebaut. Diese waren dafür verantwortlich, dass im Telefoninterview jene Personen ausgefiltert wurden, bei denen aufgrund ihrer Antworten auf die Filterfragen ein Mobbing unwahrscheinlich schien (siehe Anhang B.). Da die Filterfragen anderen schweizerischen Befragungen entnommen wurden, konnte dieser Anteil im Voraus geschätzt werden (ca. 70%). Der Fragebogen wurde in folgende Teile gegliedert: - Fragen zu soziodemographischen Daten - Fragen zur Berufssituation (mit Filterfragen) - Fragen zur Gesundheit (mit Filterfragen) - Fragen zum Mobbingvorkommen Zur Überprüfung des Auswahlverfahrens wurde den auszuscheidenden Personen die offene Frage 'Fühlen Sie sich als Mobbingopfer?' gestellt, und im Bejahungsfalle wurden diese Personen ebenfalls in den Mobbingteil integriert. Im vierten Teil konnten - durch die Befragung zur Häufigkeit und Intensität der einzelnen Belastungen - die Befragten anhand der gängigen Mobbingdefinition (im Gegensatz zur eigenen subjektiven Meinung der Befragten) identifiziert werden. Im LIPT-Teil war eine Vereinfachung und Umgestaltung wegen dem Übertragen von einer schriftlichen in eine telefonische Befragung nötig. Items mit sehr ähnlichem Inhalt wurden weggelassen, auf andere wurde aufgrund der geringen Antworthäufigkeiten in den deutschen und österreichischen Studien verzichtet, sodass von 45 Fragen der ur- 2 Leymann Inventory of Psychological Terror (1996), (Liste der Mobbingkriterien) Mobbing und andere psychosoziale Spannungen am Arbeitsplatz in der Schweiz Untersuchungsmethode 16 sprünglichen LIPT-Version noch 31 übrig blieben. Zudem wurden vereinzelt Handlungen, die im Arbeitsleben immer wieder auftreten können, ohne schikanös sein zu müssen, präzisiert, indem z.B. der Begriff ‘absichtlich’ angefügt wurde Stichprobe: Die vorliegende Studie basiert auf einer repräsentativen Stichprobe der erwerbstätigen Bevölkerung der Schweiz. Sie wurde in den Sprachen Schweizerdeutsch, Französisch und Italienisch durchgeführt. Die Stichprobenbildung erfolgte durch ein zweistufiges Auswahlverfahren, dem so genannten Random-Random-Verfahren. 12’640 Haushalte des Swisscom-Telefonverzeichnisses wurden nach dem Zufallsprinzip bestimmt. In einem zweiten Schritt wurde eine berufstätige Person im Haushalt zufällig bestimmt. Als Zielpersonen kamen alle Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren, die zur Zeit der Befragung mindestens 50% oder im letzten Jahr mindestens sechs Monate zu 50% erwerbstätig waren, in Frage. Nach Auswahl, Verweigerung, erfolglosen Kontaktversuchen, Adressproblemen, usw. konnten 4’319 Zielpersonen bestimmt werden. Schlussendlich konnten 3’638 Interviews begonnen werden (84%). Selbstständig Erwerbende ohne Angestellte und Personen, die während der letzten 12 Monate weniger als 6 Monate an einer Stelle tätig waren, wurden im Anschluss an einige demographische Fragen ausgeschieden. Danach verblieben 3’220 Personen (Grundpopulation).

Erhebungsverfahren

-