Der Vergleich der im Januar 2025 durchgeführten Studie mit der Haupterhebung im Januar 2024 zeigt Folgendes:
Die Autoren gehen davon aus, dass die angespannte weltpolitische Lage und Krisen im Allgemeinen, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Israel-Gaza-Krieg im Besonderen, der Amtsantritt des US-Präsidenten Donald Trump wie auch die gesellschaftlichen und politischen Diskussionen der Rolle der Schweiz als neutraler Staat und die Frage, wie die Schweizer Armee personell und materiell alimentiert sein soll, das aussen-, sicherheits- und verteidigungspolitische Meinungsbild massgeblich
beeinflusst haben.
Die weltpolitische Lage wird unverändert so pessimistisch wie im Vorjahr eingeschätzt. Die Zukunft der Schweiz wird signifikant pessimistischer eingeschätzt. Aktuell blickt aber immer noch eine Mehrheit der Stimmberechtigten der zukünftigen Entwicklung
der Schweiz optimistisch entgegen. Das allgemeine Sicherheitsempfinden der Bevölkerung ist signifikant gesunken und liegt deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Im Vorjahresvergleich ist auch das allgemeine Vertrauen in die
Institutionen signifikant gesunken. Dieser Rückgang ist auf das signifikant geringere Vertrauen in die Gerichte, in die Schweizer Wirtschaft, in den Bundesrat, in die Schweizer Armee und in das Eidgenössische Parlament zurückzuführen.
Stimmberechtigte unterstützen eine verstärkte wirtschaftliche Kooperation mit der EU, ohne dass die Schweiz dieser beitreten sollte. Die Zusammenarbeit mit der UNO sowie Konfliktvermittlung werden zwar immer noch mehrheitlich unterstützt, liegen
aber unter dem Durchschnitt der letzten Jahre. Hinsichtlich vermehrter Entwicklungshilfe ist sich die Stimmbevölkerung aktuell uneinig. Eine knappe Mehrheit befürwortet eine NATO-Annäherung, während ein Beitritt zur NATO weiterhin ein Minderheitsanliegen bleibt. In sicherheitspolitisch angespannten Zeiten findet die militärische als auch die nationale Autonomie der Schweiz weniger Zuspruch bei den Stimmberechtigten.
Auch in diesem Jahr werden die Neutralität im Allgemeinen sowie ihre Funktionen (Solidaritäts-, Identitäts- und sicherheitspolitische Funktion) im Besonderen weniger stark unterstützt. Obschon die Neutralität anhaltend kritischer bewertet wird als noch vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, möchte die Mehrheit der Stimmbevölkerung an ihr festhalten. Sowohl von der Richtigkeit der gegenüber Russland ergriffenen Sanktionen als auch von deren Vereinbarkeit mit der Neutralität ist nach wie vor eine Bevölkerungsmehrheit überzeugt, während eine Minderheit durch das Mittragen der Sanktionen eine Gefahr für die «Guten Dienste» sieht.
Aufgrund der anhaltend angespannten Sicherheitslage bewerten Stimmberechtigte das Militär positiv. Eine klare Mehrheit ist von dessen Notwendigkeit überzeugt und fordert sowohl eine «sehr gut ausgebildete» als auch eine «vollständig ausgerüstete» Armee. Die Wehrpflicht als Rekrutierungsform wird so deutlich unterstützt wie im Vorjahr. Die angemessene Finanzierung der Landesverteidigung spaltet die Stimmbevölkerung deutlich. 37 % sind mit den aktuellen Ausgaben zufrieden. 34 % finden diese zu hoch und 24 % der Befragten erachten die Ausgaben für die Verteidigung als zu tief, was einem Höchstwert in dieser Messreihe entspricht.
Die Einführung eines Dienstmodells, das eine Dienstpflicht für Männer und Frauen mit freier Wahl zwischen Militär-, Zivil- oder Sozialdienst vorsieht, wird von zwei Dritteln der Stimmberechtigten befürwortet. Ebenso wird die generelle Einführung eines
allgemeinen obligatorischen Bürgerdienstes für Schweizer Männer und Frauen mit einer Mehrheit von zwei Dritteln befürwortet. Alle Vorteile eines solchen Bürgerdienstes finden in der Schweizer Stimmbevölkerung Zustimmung, während sich nur eine Minderheit an den negativen Auswirkungen eines obligatorischen Bürgerdienstes stört.
Insgesamt lässt sich einerseits sagen, dass die Stimmberechtigten 2025 im Zweifel eher der Sicherheit als der Freiheit den Vorzug geben und andererseits, dass sich im Vergleich zu 2022 wenig in der Bewertung von Freiheits- und Sicherheitseinschätzungen
geändert hat.