TRAIL – Transition in die Berufslehre

Ref. 20176

  

General description

Period

2023 – 2024

Geographical Area

Additional Geographical Information​

-

Abstract

Jugendliche der 9. Klasse aus Schulformen der Sekundarstufe I mit Grundanforderungen, sonderpädagogischen Förderklassen und Sonderschulen haben grössere Schwierigkeiten als andere Jugendliche, einen qualifizierenden Ausbildungsplatz zu finden. Ein erfolgreicher Einstieg in die Berufswelt ist jedoch zentral für die berufliche Laufbahn von Jugendlichen. Im Zentrum des Forschungsprojekts steht deshalb die Erforschung von individuellen und kontextuellen Erfolgsfaktoren, welche die Chancen im Lehrstellenmarkt beeinflussen. Dabei wird untersucht, wie sehr Leistungen und Verhalten der Jugendlichen mit der familiären Unterstützung zusammenhängen, wie sehr Leistungen und Verhalten der Jugendlichen die Chancen auf eine qualifizierende berufliche Grundbildung (EBA oder EFZ) erklären, wie sehr die Schulform die Chance auf einen Arbeitsplatz in einer qualifizierenden beruflichen Grundbildung (EBA oder EFZ) erklärt, wie sehr sich die Begleitung von Lehrpersonen beim Übergang in die berufliche Grundbildung nach Schulform unterscheidet und welchen Einfluss diese Lehrpersonenunterstützung auf die Chance auf eine Lehrstelle hat. Es wird auch untersucht, welchen Einfluss die Schulform, der sonderpädagogische Förderbedarf und sozio-emotionale Faktoren auf die Lehrpersonenerwartungen in Schulsprache und Mathematik haben, welche individuellen und kontextuellen Faktoren einen Einfluss auf die Wahl von Berufen mit Lehrstellenüberangebot und auf die Passung Person-Beruf haben, welche Erfolgsfaktoren Berufsbildner*innen einer EBA oder einer Pra (Insos) identifizieren, damit Jugendliche aus den genannten Schulformen eine Ausbildung abschliessen können. Für diese Stichprobe werden diese Fragestellungen in der Schweiz erstmals untersucht.

Results

Ergebnisse von stufenweisen Mehrebenenanalysen zeigen, dass Jugendliche aus Sonderschulen und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit geringerer Wahrscheinlichkeit direkt in die Berufsbildung übertreten, nach Kontrolle von Leistungen in Deutsch und Mathematik. Weitere Ergebnisse der gleichen Analyse zeigen, dass psychische Probleme von Jugendlichen einen vergleichsweise starken Effekt auf die Wahrscheinlichkeit eines Direktübertritts haben – im Gegensatz zu Verhaltensproblemen. Eine andere Analyse zeigte, dass die Lehrpersonenunterstützung die Chance auf einen qualifizierenden Ausbildungsplatz bei allen Jugendlichen und besonders bei Jugendlichen aus bestimmten Nationalitäten erhöht. Auch erhöhte die Lehrpersonenunterstützung die Passungswahrnehmung von Person-Beruf. Bessere Leistungen im Leseverstehen hängen mit erhöhten Chancen auf einen qualifizierenden Ausbildungsplatz zusammen, während Mathematikleistungen und basale Lesekompetenzen keinen signifikanten Effekt haben. Zudem haben Lehrpersonen in Schulsprache und Mathematik höhere Erwartungen in Sonderschulen (vs. Regelschulen) und tiefere Erwartungen an Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf (vs. ohne sonderpädagogischen Förderbedarf). Sozioemotionale Faktoren haben ebenfalls unterschiedlichen Einfluss auf Lehrpersonenerwartungen in Schulsprache und Mathematik. Prosoziales Verhalten hat dabei einen positiven und Hyperaktivität einen negativen Einfluss auf die Lehrpersonenerwartungen in beiden Fächern. Probleme mit Gleichaltrigen beeinflussen Lehrpersonenerwartungen in der Schulsprache negativ. Emotionale Probleme (aus Sicht der Lehrpersonen wie auch der Schüler*innen) haben einen negativen Einfluss auf die Lehrpersonenerwartungen in Mathematik. Diese Ergebnisse zeigen sich nach Kontrolle der tatsächlichen schulischen Leistungen wie auch der Schulform, des sonderpädagogischen Förderbedarfs und weiteren Kontrollvariablen. Weiter zeigt sich, dass Jugendliche mit höheren intellektuellen Fähigkeiten und höherer Lehrpersonenunterstützung eher Berufe mit Lehrstellenüberangebot wählen, nach Kontrolle von Berufsmerkmalen. Jugendliche, die einen Beruf mit Lehrstellenüberangebot wählen, nehmen eher eine tiefere Passung von Person-Beruf wahr. Die Ergebnisse aus einer Interviewstudie mit Lehrpersonen und Berufsbildner*innen aus den Bereichen EBA und Pra zeigten konkrete Praktiken, welche Berufsleute in Schule und Betrieb anwenden, um Jugendliche mit tieferen sozio-emotionalen Kompetenzen zu fördern und die Chance eines Lehrabschlusses zu erhöhen. Die Ergebnisse zeigen erstmals Risikofaktoren und Gelingensbedingungen von Jugendlichen in Risikolagen beim Übergang in die Berufsbildung. Die Ergebnisse sind relevant für Lehrpersonen der Zielgruppe und für Berufsbildner*innen. Sie sollen für diese Effekte und Prozesse sensibilisiert werden.