Nationale Eigenheiten von Bildungssystemen in Zeiten der Globalisierung

Ref. 11621

  

General description

Period

2012

Geographical Area

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Abstract

Mit gut 23 % hat die Schweiz einen der höchsten Ausländeranteile aller europäischen Länder. Bisher gab es nur Vermutungen über Einstellungen und Meinungen der Immigranten zum schweizerischen Bildungswesen, das sich in mancherlei Hinsicht beträchtlich von dem unterscheidet, was in den Herkunftsländern etwa im Vorschulbereich oder bei der beruflichen Bildung gebräuchlich ist. Die hier vorgestellte Untersuchung interessierte sich für die Einstellungen der ausländischen Wohnbevölkerung dem schweizerischen Bildungswesen gegenüber und insbesondere für die Unterschiede zwischen der Sicht der ausländischen und jener der einheimischen Bevölkerung. Die Grunddaten zur Untersuchung wurden mit einer telefonischen Befragung erhoben und in der Folge mit statistischen Methoden ausgewertet. Unter anderem bestätigen die Ergebnisse die Vermutung, dass sich Unterschiede in der Bewertung des schweizerischen Schulsystems am stärksten im Bereich der Sekundarstufe II manifestieren. In der Schweiz befinden sich auf dieser Stufe rund 70 % der Jugendlichen in einer Berufsausbildung, in ihrer Mehrheit nach dem dualen Modell, womit sie den grössten Teil ihrer Ausbildungszeit in einem in der Regel nach wirtschaftlichen Gesetzen geführten Betrieb verbringen, während sie in ihren Herkunftsländern meist in Schulen sässen, die auf einen Hochschulzugang vorbereiten. Beim Übertritt in die Sekundarstufe II präferieren die Ausländer für ihre Kinder klar den allgemeinbildenden Zug, sei es, weil ihnen die Berufsbildung nach Schweizer Modell fremd ist, sei es aus Statusgründen, sei es, weil sie daran zweifeln, dass ein Lehrabschluss ihren Kindern viel nützte, sollten sie wieder aus der Schweiz ausreisen. Dass die letzte Erklärung wohl die wichtigste ist, wird etwa durch die Tatsache gestützt, dass die Wahl von Ausländern, würden sie ihr Kind in eine Privatschule schicken, auf eine internationale, mehrsprachige Schule fiele; andere Privatschulen erscheinen ihnen nicht attraktiver als den Einheimischen. Bei Inländern scheint insbesondere in der Deutschschweiz eine Präferenz für den gymnasialen Weg mehr mit Statusfragen als mit Beschäftigungsperspektiven verbunden zu sein.

Results

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